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Frankreich

Provence


Land aus Licht und Farbe

Provence

Text und Fotos: Ralph Binder

Flamingos schlafen noch im Licht der frühen Morgensonne, Palmen wiegen ihre Blätter in einer sanften Brise, die vom Meer herüberweht, die Luft ist erfüllt vom Duft nach Salz, Kräutern oder Lavendel. Das Licht taucht die Bergdörfer und Felder am Morgen in goldene Pracht und lässt Farben und Kontraste explodieren. Die gleißende Mittagsonne überzieht alles mit dunstigen Pastelltönen. Abends kommen die Farben zurück und die Landschaft erscheint wie durch einen Filter aus Orange.

Die Provence ist ein Klassiker unter den Caravaning-Zielen Europas. Ganz gleich ob mit dem Caravan auf einem der 836 Campingplätze der Region oder mit dem Reisemobil, für das auch 450 Reisemobilstellplätze bereit stehen. Dabei ist nicht nur der azurblaue Küstenstreifen zwischen Saintes-Maries-de-la-Mer in der Camargue und Menton an der italienischen Grenze interessant. Das Hinterland mit den geometrischen Lavendelfeldern des Luberon, den wilden Schluchten des Verdon, den salzigen Wiesen der Camargue, den pittoresken Bergdörfern der Vaucluse und den historischen Zentren von Arles, Aix und Avignon entfalten ihren Reiz in einer beeindruckenden Vielfalt. Das Spiel aus Licht und Farbe gibt all diesen unterschiedlichen Regionen der Provence einen besonderen Glanz der schon große Maler und Fotografen gleichermaßen in seinen Bann zog.

Arles – Auf den Spuren von Vincent van Gogh


Von Lyon durch das Rhone-Tal kommend ist der erste Halt unserer Rundreise die Stadt Arles an der Rhone. In Arles kreuzten sich einst die Via Agrippa, die aus dem heutigen Lyon kam und die Via Autelia, die weiter nach Marseille und schließlich nach Rom führte. Im historischen Zentrum zeugt das Amphiteater von der großen antiken Bedeutung der Stadt. Die Kathedrale St Trophime belegt, dass Arles diese herausragende Stellung auch im Mittelalter behaupten konnte. Neben den antiken und mittelalterlichen Baudenkmälern ist Arles auch für seinen wohl berühmtesten ehemaligen Einwohner bekannt: Vincent van Gogh. Während seiner Zeit in Arles portraitierte er die Stadt und ihre Umgebung in über hundert Varianten. Eines seiner bekanntesten Werke ist „Die Terrasse des Café la Nuit bei Nacht“. Heute ist das Café la Nuit Teil des Vincent van Gogh Rundgangs durch Arles, bei dem zahlreiche von van Gogh gemalte Motive für die Besucher hergerichtet wurden. Samstags werden die Besucher der Stadt zusätzlich von einem der größten provençalischen Märkte angelockt. Obst, Gemüse, Wurst, Käse, Olivenöl, Wein, Kunsthandwerk, Kleidung und Blumen werden dann auf den Boulevards vor der Stadtmauer angeboten. Im Nu sind hier der Kühlschrank und die Staufächer des Reisemobils gefüllt. Der Reisemobilstellplatz ist übrigens gleich gegenüber der Altstadt an der Rhone. Dorthin führt die Brücke Pont de Trinquetaille, die ebenfalls von van Gogh gemalt wurde.

Flamingos, Pferde und Stierkampf in der Camargue


Von Arles aus lohnt sich ein Abstecher in die Camargue bis zum Örtchen Saintes-Maries-de-la-Mer. Pferde und Flamingos zieren die Strecke. Ausritte durch die flache Landschaft des Rhône-Deltas oder der Besuch des Vogelparks in Pont de Gau gehören zu den Höhepunkten der Region. Sehenswert ist der Besuch der Wehrkirche Notre-Dame-de-la-Mer. Von ihrem Dach aus bietet sich ein weiter 360 Grad Ausblick über die flache Landschaft der Camargue und das Meer. Zwei Campingplätze warten auf Caravaning-Touristen. Alljährlich zum 24. und 25. Mai ist die Kirche der Wallfahrtsort für die Gitanes aus Frankreich und Spanien, die hier ihre Schutzheilige, die schwarze Sara, verehren.

Burgruine und Lichtspiele


Aus dem platten Land fahren wir weiter in Richtung Berge und erreichen nördlich von Arles die Alpillen. Der Ort Les Baux-de-Provence empfängt uns auf einem Felsvorsprung thronend, als wolle er seinen Besitzanspruch über die ihm zu Füßen liegende Camargue hervorheben. Bei gutem Wetter sind die Sümpfe und das Meer von der Burgruine aus gut erkennbar. Das mittelalterliche Städtchen ist ein beliebtes Besuchsziel für Touristen. Einige hundert Meter weiter den Berg hoch liegen die Kalkstein-Steinbrüche, in denen heute die gigantische Lichtinstallation Carrières de Lumières aufgebaut ist. Über 100 Videoprojektoren werden die Bilder großer Künstler auf die weißen Wände, Decken und Böden projiziert und mit Musik und Bewegung animiert. Auf 6000 Quadratmetern werden die nackten weißen Felsen so zu einer beeindruckenden Hommage an die Kunst.

Auf der anderen Seite des Felsmassivs der Alpillen liegt der Ort Saint-Rémy-de-Provence. Am Stadtrand in der Psychiatrischen Klinik des Klosters Saint-Paul-de-Mausole wurde van Gogh behandelt und so entstanden auch hier zahlreiche Gemälde des berühmten Künstlers. Die sehenswerte Altstadt ist am besten zu Fuß zu erkunden. Zur Übernachtung bietet sich der Campingplatz Monplaisir an, der nur 15 Minuten Fußweg vom Zentrum entfernt liegt und dennoch vor allem für seine Ruhe vom ANWB als Camping des Jahres 2016 ausgezeichnet wurde. Der familiengeführte Vier-Sterne-Platz ist liebevoll angelegt und in allen Installationen vom Empfang über den Shop und die Sanitärgebäude bis hin zum Schwimmbad ist das Motto „klein aber fein“ zu erkennen.

Von Mühlrädern und Antikmärkten


L'Isle sur la Sorgue im Departement Vaucluse heißt die nächste Etappe. Umringt von zwei Flussarmen empfängt die Altstadt des Ortes den Besucher mit historischen Bauten, zahlreichen Mühlrädern und einer Menge Patina. Einst trieben 62 Mühlräder Webstühle an, die den Ort zu einer Hochburg für Tuche und Stoffe machten. Geblieben ist davon nur noch die Manufaktur Brun de Vian-Tiran, die unter Kennern für ihre feinen Tuche aus Baumwolle, Mohair oder Kaschmir geschätzt wird. Darüber hinaus ist das Örtchen für seine Antiquitätenläden bekannt. Im Sommer bevölkern zahlreiche Besucher die unzähligen Restaurants und Bars in der Altstadt und entlang der Flussarme. Bei provençalischem Wein und Spezialitäten wird ein lauer Sommerabend hier zum Genuß für die Sinne. Als Übernachtungsplatz bietet sich der Camping Airotel la Sorguette an. Er liegt gerade einmal zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Der 25minütige Spaziergang in die Stadt führt entlang der Sorgue vorbei an Gärten, Parkanlagen und zahlreichen Anglern. Der gepflegte drei Sterne Platz wird familiär geführt und verzichtet bewusst auf den vierten Stern, für den lediglich ein Schwimmbad fehlt. Angesichts des freundlichen Empfangs, der einwandfreien Infrastruktur und der ruhigen Lage haben wir das aber nicht wirklich vermisst.

Rote Felsen und beeindruckende Aussichten


Neben dem Städtchen auf der Flussinsel der Sorgue sind Bergdörfer die Attraktion der Region. Gordes, Saignon, Bonnieux und Saint Saturnin les Apt sind nur einige Beispiele dieser Villages Perchés, wie sie in Frankreich genannt werden. Es lohnt sich hier, das Reisemobil am Stadtrand zu parken und die verwinkelten Gassen zu Fuß zu erkunden. In Saignon etwa wird diese Mühe mit einer atemberaubenden 360 Grad Aussicht vom zentralen Felsen der Burgruine vergolten. Ebenfalls einen Halt wert ist der Ort Roussillon. Zusätzlich zu einem pittoresken Zentrum warten hier noch die Ockersteinbrüche Les Sentiers des Ocre auf neugierige Besucher. Seit Jahrhunderten wurde der Farbstoff hier abgebaut, heute dienen die Steinbrüche als Besuchermagnet. Das Farbspektrum reicht von blassem Gelb über Orange und Rot bis hin zu den seltenen Lila-Tönen. Im Zusammenspiel mit der grünen Natur, dem tiefblauen Himmel und den weißen Wolken ergeben die bunten Erden ein Farbenspiel der Extraklasse.

Auf der Reise Richtung Osten passiert das Reisemobil weitere Bergdörfer wie Gréoux-les-Bains, Moustiers-Sainte-Marie Dabei fallen immer wieder die langen Reihen der Lavendelfelder ins Auge. Lila sind sie nur zwischen Mitte Juni und Mitte Juli. Zwar würde der Lavendel noch bis Ende August blühen, allerdings findet Mitte Juli meist schon die Ernte statt und dabei werden alle Reihen bis auf wenige Zentimeter abgeschnitten. Wer später nach Lavendelfeldern sucht, wird daher nur schwer fündig.

Abenteuerliche Rundfahrt um die wilde Schlucht


Am östlichsten Punkt unserer Reise wartet der wilde Gorges du Verdon. Am Ausgang der Schlucht liegt der große See Lac de Sainte Croix. Ein Eldorado für Segler, Windsurfer, Stand up Paddler, Kanuten und andere Wassersportler. Er entsteht wie einige kleinere Brüder durch die Staumauer am Lac d’Esparron bei Gréoux-les-Bains. Diese staut den Fluß Verdon und regelt von hier aus die Trinkwasserversorgung nahezu der ganzen westlichen Provence. Die Schlucht selbst ist ein imposanter Anblick und fordert von Fahrer und Beifahrer gute Nerven. Schon die normale zweispurige Straße eröffnet dem Beifahrer ab und zu den freien Blick in den Abgrund. Besonders nervenstarke Mobilisten können ab La Palud Sur Verdon den Rundkurs der D 23 „Routes des Cretes“ fahren. Die Straße wird nach einigen Kilometern einspurig und darf daher an einem Teilstück nur in eine Richtung befahren werden. Wer den ganzen Rundkurs ohne Wendemanöver absolvieren möchte, sollte daher im Uhrzeigersinn (le sens des aiguilles d'une montre) fahren. Gelegentlich führen grob gehauene unbeleuchtete Tunnel durch den Fels. Zum Glück sind sie nicht sehr lang. Immer wieder laden Parkbuchten dazu ein, die Aussicht zu genießen. Je nach Anzahl der Stopps können die 23 Kilometer eine bis anderthalb Stunden in Anspruch nehmen. Bei gutem Wetter ist die Strecke ein unvergessliches Erlebnis aus der Kategorie „Einmal im Leben…“.

Von den platten Salzwiesen der Camargue bis zu den steilen Felsen des Verdon bietet die Provence eine reiche Fülle an Eindrücken, Ausblicken, Düften und Farben. Daher gehört sie quasi zum Standardrepertoire vieler Caravaningreisenden. Auch bei mehrfachen Besuchen schafft es die Provence immer wieder eine neue Facette ihrer reichhaltigen Fülle zu zeigen und zu ihren Klassikern kehren wir sowieso immer gerne zurück.


Kulinarisch übernachten


Neben Campingplätzen oder Reisemobilstellplätzen gibt es in Frankreich eine dritte, auch kulinarisch sehr interessante Möglichkeit der Übernachtung: France Passion heißt das Programm dem sich 2000 Winzer, Landwirte und Handwerkliche Betriebe in Frankreich angeschlossen haben. Jeder Käufer des Etappenführers für 29 Euro erhält eine Mitgliedskarte und eine Vignette für das Reisemobil die ihn für ein Jahr als Gast von France Passion ausweisen. Damit kann er bei den teilnehmenden Winzern, Landwirten und Handwerklichen Betriebe kostenlos übernachten. Im Gegenzug erhoffen sich die Produzenten natürlich den Einkauf ihrer Produkte, dazu besteht jedoch keine Verpflichtung. Wir haben auf unserer Reise zwei dieser France Passion Stationen besucht:

Weingut Chateau Les Eydins


Chateau mag aus architektonischer Sicht ein etwas hochtrabender Name für die Gebäude dieser Domäne sein. Die einfachen Übernachtungsplätze am Rand der Domäne bieten jedoch einen schönen Blick auf die Weinreben und die Berge des Luberon. Die Weine allerdings haben alle Ehren verdient. Aus rein biologischem Anbau überzeugen sie mit Frucht und Finesse. Nicht wenige Flaschen haben den Weg in den heimischen Weinkeller gefunden. Château les Eydins, Route du Pont Julien - 84480 Bonnieux, T/ +33(0)4 90 75 61 58, www.chateau-les-eydins.com

Olivenmühle Moulin du Calanquet


Etwas versteckt außerhalb von Saint-Rémy de Provence liegt die Olivenmühle Moulin du Calanquet. Die einfachen Übernachtungsplätze zwischen Olivenbäumen und Waldrand sind nicht unweit vom Hauptgebäude. Die Olivenmühle ist vielfach prämiert für ihre sortenreinen Öle ebenso wie für ihr Cuvée aus fünf verschiedenen Olivenarten. Zu den Kunden zählen auch Frankreichs „Kochgott“ Paul Bocuse und viele Gewinner seines alljährlichen Wettbewerbs „Bocuse d’Or“. Ein Sternkoch hat gemeinsam mit der Olivenmühle Rezepte für weitere Produkte etwa Chutneys und Marmeladen mit Oliven entwickelt. Wahrhaftig ein kulinarisches Highlight. Moulin de Calanquet, 3206, Vieux Chemin d’Arles - 13210 Saint-Rémy de Provence - T/ : +33 (0)4 32 60 09 50 www.moulinducalanquet.fr/