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Ostallgäu

Zwischen Glanz und Gemütlichkeit

Ostallgäu

Fotos und Text: Ralph Binder 

Dieser Winkel Deutschlands gehört zu den weltweit bekanntesten. Selbst japanische oder amerikanische Touristen, die sich für ganz Europa höchstens zwei Wochen Zeit nehmen, kommen hier vorbei: Füssen im Ostallgäu mit den Königsschlössern Hohenschwangau und Neuschwanstein. Beide Schlösser gehören zu der Kategorie Sehenswürdigkeiten, die man einmal im Leben besucht haben sollte. Wer diese Touristenmagneten jedoch besuchen möchte, muss viel Zeit mitbringen und darf größere Menschenaufläufe nicht scheuen. Aber auch im Umkreis dieser beiden weltbekannten Sehenswürdigkeiten gibt es viel zu entdecken.
 

Glanz

Aber zunächst einmal zum touristischen Pflichtprogramm: Hohenschwangau hat Maximilian II. von Bayern, der Vater von Ludwig II., von 1833 bis 1837 erbauen lassen. Hohenschwangau war einst das Ferienschloss für den Sommer, die Staatsgeschäfte wurden in der Residenz in München getätigt, daher ist die Größe der Räume für königliche Verhältnisse eher bescheiden. Die Wände des Schlosses sind mit Malereien aus dem späten 19. Jahrhundert geschmückt, die Szenen aus deutschen Sagen, mittelalterlichem Leben und aus der Geschichte der Wittelsbacher zeigen. Höhepunkt der Führung ist der Helden- oder auch Festsaal. Wandmalereien der Nibelungensage zieren den großen Saal der heute auch eine Sammlung prunkvoller Tischdekorationen beherbergt. Aus einem Nachbarraum beobachtete Ludwig der Zweite die Fortschritte beim Bau seines eigenen Schlosses Neuschwanstein. Zu diesem Zweck ließ er dort eigens ein großes Fernrohr aufstellen. Beeindruckend ist auch der malerische Blick aus dem königlichen Gästezimmer direkt auf den Alpsee.

König Ludwig II. ließ Neuschwanstein von 1879 bis 1886 erbauen. Dabei wollte er die Bühnenwelt der Opern Richard Wagners, einem engen Freund der Königsfamilie, lebendig werden lassen. Kein Wunder also, dass die ersten Zeichnungen des Schlosses nicht von einem Architekten, sondern von einem Münchner Bühnenmaler stammten. Der Bau des Schlosses wurde immer wieder durch Geldknappheit verzögert, das Schloss ist bis heute unvollendet. König Ludwig hat selbst nur 172 Tage in seinem Märchenschloss verbracht. Höhepunkt der Schlossführung ist der prunkvoll glänzende goldene Thronsaal im Stil einer byzantinischen Kirche, geschmückt mit Bildern von Heiligen und ihrem Wirken und einem wunderschönen Mosaikfußboden. Aber auch Ludwigs Schlafzimmer mit aufwändigen Holzschnitzereien, an denen 14 Holzschnitzer rund 4 Jahre lang gearbeitet haben, ist sehenswert. Der märchenhafte Bau, dessen Silhouette offensichtlich auch die Zeichner bei Disney inspiriert hat, wurde zum Symbol für Ludwigs Verschwendungssucht. Diese wiederum diente als Begründung für das Gutachten, mit dem Ludwig II. später für geistesgestört erklärt wurde. Um seinen Tod ranken sich zahlreiche Legenden, die von Unfall über Freitod bis zu Mord reichen. Die Schulden, die Ludwig für den Schlossbau aufnahm, zahlte seine Familie übrigens später vollständig an den bayerischen Staat zurück.
 

Gemütlichkeit

Ganz anders zeigt sich das Ostallgäu abseits der Königsschlösser. Hier ist nichts mehr zu spüren vom hektischen Trubel der Touristenströme. Rund um die Ostallgäuer Seen herrscht bayerische Gemütlichkeit mit Landschaften, wie sie Modellbahnbauer gerne formen: Sanfte grüne Hügel, steile Bergwände, grasende Kühe, schattige Biergärten unter alten Bäumen, Burgruinen und immer wieder Wanderer und Fahrradfahrer. Diese beiden Fortbewegungsarten erscheinen dem Rhythmus des Ostallgäu angemessen. Das Plateau um Hopfensee, Forggensee, Füssen und Pfronten ist zum Fahrradfahren bestens geeignet. Die Fahrradwege sind sehr gut ausgebaut, und wer nicht unbedingt bis rauf zur Alm fahren will, hat höchstens leichte Anstiege zu bewältigen oder kann bei der Umrundung der Seen fast gänzlich ebene Strecken befahren. Wanderer finden in dieser Region vom ausgedehnten Spaziergang bis zur alpinen Klettertour das volle Programm für alle Ansprüche und Schwierigkeitsgrade, einschließlich atemberaubender Panoramen und Ausblicke.

Auch die Campinginfrastruktur im Ostallgäu ist bestens ausgebaut. Zahlreiche Wohnmobilstellplätze und Campingplätze unterschiedlicher Kategorien erwarten den Caravaningreisenden. Unsere Wahl fiel auf den Camping Hopfensee, in Hopfen am See. Ausschlaggebend war vor allem die direkte Lage am See mit eigenem Badestrand – Gummiboot nicht vergessen – und das große Spielhaus. Da das Wetter im Allgäu recht wechselhaft sein kann, bot dieses den Kindern oft den einzigen Ort, an dem sie sich richtig austoben konnten. Dadurch war das Spielhaus auch an Regentagen ein Garant für weiterhin heitere Urlaubsstimmung. Erwachsene können trübes Wetter dagegen mit Sauna, Massagen und einer breiten Palette weiterer Wellnessangebote überbrücken. Oder, dank Kabelanschluss und WLAN auf allen Plätzen, einen Medientag einlegen.

Zahlreiche Ausflugsziele liegen hier in einer auch für Kinder zu bewältigenden Fahrradentfernung. Da wäre zunächst das Ausflugslokal Wiesbauer zu nennen. Auf der gegenüber liegenden Seite des Sees gelegen, eignet es sich hervorragend zum Abendessen mit anschließendem Verdauungsspaziergang oder kurzem Fahrradsprint zurück zum Campinglatz. Ein imposanter Blick auf den Hopfensee, die Burg Füssen, Schloss Neuschwanstein und die Berge wird kostenlos zu der bayerischen Küche mitgeliefert. Liebhabern bayerischer Braukunst sei das Sudhaus Kössel-Bräu in Eisenberg-Speiden empfohlen. Sieben Biersorten werden in der kleinen, auch als Maria-Hilfer-Sudhaus bekannten Brauerei produziert: Natur-Pils, Vollbier, helles Weizen, dunkles Weizen und zwei Starkbiere. Hinzu kommen zahlreiche saisonale Spezialbiere wie Festbier, Böllerbier, Fliegerbier oder Alphorn-Bläser-Trunk. Nur rund sieben Kilometer Entfernung vom Campingplatz ermöglichen auch das Bierholen mit dem Fahrrad. Je einen 2 Liter-Krug in jede Satteltasche, noch ein Glas von dem hauseigenen Biersenf dazu und der gemütliche Grillabend ist gesichert.

Die Brauerei eignet sich auch gut zur Einkehr nach einem Ausflug zu den Ruinen in Eisenberg. Die beiden auf dem Berg gelegenen Burgreste werden von einem Heimatverein gepflegt und sind einmal im Jahr Schauplatz eines Ritterfestes. Aber auch ohne Veranstaltung sind sie ein lohnendes Ausflugziel mit einem herrlichen Blick auf Pfronten und Umgebung. Höher hinaus geht es bei Schwangau mit der Tegelbergbahn. Echte Bergwanderer nehmen hier den Fussweg. Auch weniger ambitionierte Bergfreunde blicken jedoch aus der Gondel der Seilbahn auf ein postkartenreifes Motiv bestehend aus den Schlössern Hohenschwangau, Neuschwanstein und dem Alpsee. Oben angelangt bieten die Paraglider und Drachenflieger an der Startrampe neben der Bergstation einen spannenden Akzent vor dem beeindruckenden Ausblick auf die Ostallgäuer Seenlandschaft. Mehrere Bergtouren mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden und Streckenlängen haben an der Bergstation der Tegelbergbahn ihren Ausgangspunkt. Wohlgemerkt Bergtouren und nicht Spazierwege, festes Schuhwerk und ein Mindestmaß an Schwindelfreiheit sind hier Voraussetzung.

Das Ostallgäu ist durch seine günstige Verkehrsanbindung für Wohnwagen und Wohnmobile ein ideales Ziel auch für kürzere Urlaube. Die Vielfalt der Landschaft und der Freizeitmöglichkeiten lässt aber auch bei längeren Aufenthalten keine Langeweile aufkommen.